> Gedichte und Zitate für alle: A. L. Karsch Gedichte: Der Liebhaberhut (16)

2015-08-06

A. L. Karsch Gedichte: Der Liebhaberhut (16)



Der Liebhaberhut

Eine wirkliche Begebenheit.

In einer weltbekannten Stadt,
Die rare Kaufmannswaaren
Und wunderschöne Weiber hat,
Kam schnell ein Mann gefahren,
Eh sich's sein Weibchen vorgestellt,
Und voller Furcht und Schrecken
Entwich ihr junger Liebesheld;
Ach aber zum Entdecken
Der Heimlichkeit gab's viel Gefahr,
Weil er, zu sehr getrieben,
Rasch aus dem Fenster sprang, so war
Sein Hut noch da geblieben,
Lag auf dem Tischchen unverhüllt,
Viel Argwohn zu erregen,
Doch sie, mit Weiberlist erfüllt,
Springt schlau dem Mann entgegen,
Und ruft: Willkommen, süßer Mann!
Du sollst den Hut probieren,
Ein Trödelweib bot mir ihn an;
Er ist mit goldnen Schnüren
Reich eingefaßt und noch ganz neu,
Und ward aus Not vergeudet. –
Dem Mann gefällt die Schmeichelei,
Er küßt das Weib und leidet
Das sie auf sein Tuppe den Hut
Im Puderhaare drücket,
Ruft selber aus: er läßt mir gut!
Und dankt ihr halb entzücket,
Indem sein Aug' im Spiegel gafft,
Den Zierrath seines Kopfes,
Den sie ihm heimlich angeschafft. –
Sie lacht des armen Tropfes
Sehr oft auf ihres Lieblings Schoss,
Und spricht mit losem Mute:
Mein Schatz! wir kamen wohlfeil los
Mit dem vergeßnen Hute.

alle Gedichte von Karsch                                                                                                           weiter

Keine Kommentare: