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2015-08-07

A. L. Karsch Gedichte: Jupiter und sein Adler (26)

 


Jupiter und sein Adler

An den Verfasser des Gesanges Ptolomäus und Berenice.
1765.

Freund! des Olympus Götter leerten
Jüngst ihre Nektarschaalen nicht,
Sie ließen sich herab und hörten,
Auf Wolken lauschend, Dein Gedicht.

Die Wonnelächelnde Cythere
Trat zur Olympia, und sprach:
Welch Sterblicher singt mir zur Ehre
So lieblich dem Apollo nach?

Wie einst Homer ihm nachgesungen,
Als er des Donnergottes Trieb
Und neue süße Schmeichelungen
Und meines Gürtels Macht beschrieb?

So sagte Venus, und die große
Verfolgerinn des Herkuls schwieg,
Als von des Wolkenlenkers Schooße
Selbst Ganimed zur Erde stieg;

Und selbst der Adler von dem Sitze
Des Gottes sich erhub, und kühn
Zurückwarf die getragnen Blitze,
Und auf dem Haine vor Berlin

Sein ewig glänzendes Gefieder,
Indem er horchte, niedersank,
Und Jupiter ihm rief: Komm wieder!
Und bringe mir zum Göttertrank.

Das goldne Trinkgefäß, und bringe
Des Dichters Lied darin gelegt,
Das der Latona Sohn es singe,
Wenn er vor uns die Cyther schlägt;

Und trag in deiner rechten Klaue
Der Berenice Locke, die
Ich dir auf immer anvertraue;
Statt meiner Blitze führe sie!

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