> Gedichte und Zitate für alle: A. L. Karsch Gedichte: Klage einer Witwe (28)

2015-08-07

A. L. Karsch Gedichte: Klage einer Witwe (28)

   


Klagen einer Witwe

Mir zur Last fühl ich mein Leben,
Einsam finden meine Tage mich,
Die mit Wolken sind umgeben;
Keiner hüllt aus seinem Nebel sich.
Alles mein Vergnügen
Muß im Staube liegen!
Ach wie ganz hat mich der Tod beraubt!
Wie der kalte Herbst den Garten,
Den er ganz entlaubt.

Todtenblässe überziehet
Mein von Tränen nasses Angesicht,
Wenn mein Herz, das mir entfliehet,
Mit Bewohnern kalter Gräber spricht.
Auf dem Leichensteine,
Sitz ich dann und weine
Meinen Jammer in den dürren Sand,
Der das beste Herz bedecket,
Das für mich empfand!

Dunkler sind mir meine Nächte
Als Egyptens dicke Mitternacht.
Wenn der Tag den Körper schwächte,
Wird die Nacht mit trübem Gram durchwacht!
Vor mir hin verbreiten
Sich verfloßne Zeiten!
Als mein Freund mir an der Seite lag,
Ach da fand im Arm der Freude
Mich der junge Tag!

Unter dem Tumult der Sorgen
Werd ich jezt die Sonne nicht gewahr!
Mir erscheint kein heitrer Morgen
Und für mich becränzt sich nicht das Jahr!
Blumen, Lenz und Lieder
Sind mir nur zuwieder,
Und das grüne Thal ergözt mich nie,
Selbst die Nachtigallen singen
Mir Melancholie!

Rauscht ihr silberklaren Bäche!
   Rausche stärker, du zu stille Spree!
Wiederhohle was ich spreche,
Wenn ich um dein Ufer wankend geh.
Ihr verschwiegnen Linden,
Mein betrübt Empfinden
Grab ich tief in eure Stämme ein,
Und ihr sollt von meinem Jammer,
Das Geschichtbuch sein.

Du, o Mond mit voller Wange,
Sei ein Zeuge, wie betrübt ich bin!
Und wenn ich noch Trost verlange
Blickt auf mich, ihr Sterne! Mitleid hin.
Seht die Tränen rollen
Die euch sagen sollen,
Daß mein Schicksal hart mit mir verfuhr.
Ach, ich bin noch Freuden-loser,
Als die öde Flur!

O, ihr Bürger jener Welten
Die ihr über meinem Haupte wohnt!
Hört, wie ich den Tod muß schelten
Daß er unbarmherzig mich verschont.
Aber nein, vernehmet!
Wie mein Herz sich schämet,
Daß es ungeduldig sich empört,
Und den Willen eures Schöpfers
Murrend hat entehrt!

Nie will ich dem Leben fluchen
Selbst mein Kummer soll mir heilig sein.
Oft will ich den Staub besuchen,
Und ihm eine stille Thräne weyhn.
Der entflogne Schatten
Meines theuren Gatten,
Lächelt dann mit euch auf mich herab,
Und behorcht die frommen Seufzer
Hingestöhnt aufs Grab!

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