> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 20.12.1773 Deinet an Nicolai (67)

2015-08-29

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 20.12.1773 Deinet an Nicolai (67)



20.Dezember

Frankfurt. Deinet an Nicolai

Mich soll’s wundernehmen, wie und mit welchem Succes „Götz mit der eisernen Hand“ wird aufgeführt worden sein. Können Sie eine gute Partie davon brauchen? Er schwitzt bei mir unter der Presse des Verfassers. 

Wer die Originale verschiedener Charaktere in dem Stücke kennt, die zu verschiedenen Zeiten gelebt haben und noch leben, bewundert das Genie des Verfassers um so mehr, weil demungeachtet alles zusammenpaßt. Wer sieht unter Martin nicht den ehrlichen Luther? Und wem ist das Schicksal eines Papius in Wetzlar unbekannt, das den Fratzen itzt ungemein zustatten kommt? 

Die Lehrbücher der Religion werden ja über einen andern Leisten geschlagen: warum sollte sich das Aristoteles nicht müssen gefallen lassen? Man lasse die Köpfe ausbrausen! Zuletzt bleiben doch die Alten die Gewährsmänner.

Die erste Aufführung des Götz geschah erst am 12. April des nächsten Jahres, zu Berlin.

Papius: auf ihn spielte Goethe im "Götz" bei der Bauernhochzeit am Ende des zweiten Aufzugs an: Sapupi ist dort der durch Buchstabenumstellung gewonnene Name eines von beiden Parteien bestochenen Richters. Über den Reichsbanner-und Freiherrn Johann Hermann Franz von Pape, der 1771 wegen Bestechlichkeit von seinem Amt als Beisitzer des Reichskammergerichs enthoben wurde, berichtet Gloel, Goethes Wetzlarer Zeit, Berlin 1911.

Am selben 20. Dezember schrieb der aus Russland zurückgekehrte Merck seiner Frau. Jedermann habe ihn wohl empfangen: "Mein Freund Goethe ist toll gewesen in seiner Freude."

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