> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen.....27.10.1768 Tagebuch Cornelia Goethe (13)

2015-08-18

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen.....27.10.1768 Tagebuch Cornelia Goethe (13)



1768

27. Oktober

Kornelia berichtet, das die Herren von Oldenrogge zu ihnen ins Haus kommen und das einer ihrer eigenen Vetter in deren Gesellschaft ist. Dieser Vetter, der ihren Bruder jetzt zum ersten Male sieht, wendet sich im Gespräch an sie:

„Meine liebe Base, ich habe Ihnen noch gar nicht die Freude ausgedrückt, die ich empfunden habe, als ich hier bei meiner Rückkehr einen so angenehmen Vetter vorfand. Ich kenne ihn erst seit einer Stunde, und in dieser kurzen Zeit habe ich schon tausend schöne Eigenschaften an ihm bemerkt. Man hat Ursache, Sie zu einem Bruder zu beglückwünschen, der so würdig ist, geliebt zu werden.“ —

,, Ich bin entzückt, mein Herr, daß Sie jetzt davon überzeugt sind, wieviel Grund ich hatte, über die Abwesenheit dieses teuren Bruders mich zu betrüben. Diese drei Jahre sind mir gar lang geworden. Jeden Augenblick habe ich seine Rückkehr gewünscht.“

„Aber Schwester, Schwester! Und jetzt, wo ich da bin, mag mich niemand sehen! Es ist ganz, wie wenn ich nicht in der Welt wäre!“ 

 „Keine Vorwürfe, mein Bruder! Du weißt recht gut, daß es nicht mein Fehler ist. Du bist beständig beschäftigt, und ich wage Dich nicht so oft zu unterbrechen, wie ich gern möchte.“ --

Um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, redete mein Bruder von Leipzig, von der schönen Zeit, die er dort verbracht habe. Und zugleich fing er an, sich über unsere Stadt zu beklagen, über den schlechten Geschmack, der hier herrsche, über unsere stumpfsinnigen Bürgersleute, und schließlich verstieg er sich zu der Behauptung, unsere jungen Damen seien unerträglich. „Welch ein Unterschied zwischen den sächsischen Mädchen und diesen hier!“ rief er aus.

Der eine Olderogge wollte den Sächsinnen nur eine gewisse Grazie zugestehen.

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