> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen.... 04.03.1775 Weiße an Garve (147)

2015-09-07

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen.... 04.03.1775 Weiße an Garve (147)

 

4. März
Leipzig. Weiße an Garve

Vermutlich haben Sie schon gehört, daß Lessing acht Tage bei uns gewesen ist... Mit Goethens und seines Mitbruders Lenzens neuen Schauspielen war er äußerst unzufrieden. Ein bißchen Witz und Laune, sagte er, gölte ihm ebensoviel als ein wenig Temperamentstugend, und der müsse ganz auf den Kopf gefallen sein, der, wenn er sich keiner Regel unterwerfen wolle, nicht eine Situation oder launichte Szene machen könne. Ein schöner durchdachter Plan und die geschickte Herbeiführung der Situationen mit der gehörigen Entwicklung gut ausgebildeter Charaktere erfordern mehr Genie.

Höchst aufgebracht war er gegen die „Leiden des jungen Werther“ und behauptete: der Charakter des jungen Jerusalems wäre ganz verfehlt; er sei niemals der empfindsame Narr, sondern ein wahrer nachdenkender Philosoph gewesen. Er selbst besäße einige sehr scharfsinnige Abhandlungen von ihm ... die er nächstens mit einer Vorrede herausgeben wolle ...

Kurz, ich merke, er wird ihm einmal jählings wie Klotzen auf den Nacken springen. Doch da es Goethen auch nicht an Hörnern fehlt, so wird er sich wohl wehren.

Über die Vorrede gegen Goethe vgl. 20. Mai. Gegen Klotz, Professor der Philologie in Halle, richtete Lessing 1768 seine " Briefe antiquarischen Inhalts ". Der Streit dauerte dann Jahre lang.

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