> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen.... 03.02.1775 Prinz Karl August von Meiningen an seine Schwester Wilhelmine (141)

2015-09-06

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen.... 03.02.1775 Prinz Karl August von Meiningen an seine Schwester Wilhelmine (141)


3. Februar

Frankfurt. Prinz Karl August von Meiningen an seine Schwester Wilhelmine

Der junge Erbprinz von Meiningen hielt sich mit seinem Bruder Georg, seinem Instruktor Heim und anderen Begleitern einige Tage in Frankfurt auf. Heim lobte den Doctor Goethe sehr und bat den Prinzen, diesem berühmten Mann kennenzulernen. So ward Goethe neben einem Herrn von Riese zu Tisch geladen.

Der berühmte Goethe hat bei uns zu Mittag gegessen. Es war mir lieb, neben ihm am Tisch zu sitzen, um ihn desto näher bemerken zu können. Er spricht gut, besonders original, naiv, und ist sehr amüsant und lustig. Er ist groß und gut gewachsen und hat seine ganz eignen Fassons, so wie er überhaupt zu einer ganz besondern Gattung von Menschen gehört. Er hat seine eignen Ideen und Meinungen über alle Sachen und über die Menschen, seine eigne Sprache, seine eigne Wörter. 

Er hat mir recht sehr Wohlgefallen. Sein sanftes Gefühl, seine Richtigkeit des Ausdruckes, der Denkungsart, des Urteils, seine angenehme Lebhaftigkeit verdienen Bewunderung. 

Er sagte mir, daß er jetzt an zwei Stücken arbeite: „Der Tod Julius Caesars“, ein Trauerspiel, und eine Oper.

Er blieb bis 5 Uhr nachmittags bei uns, worüber wir sehr erfreut waren.

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