> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen: 26.-29.03.1775 Graf Görtz an seine Frau (154)

2015-09-08

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen: 26.-29.03.1775 Graf Görtz an seine Frau (154)


26.-29. März

Paris. Graf Görtz an seine Frau

26. März ... Dieser Goethe ist ein gemeiner Kerl.

27. März. Es ist abscheulich, liebe Freundin, diese gemeinen Ausfälle Goethes. Da steht Wieland wiederum im Kampfe. Ich wünschte, er hätte diesen Kummer nie erfahren; es greift allemal seine Gesundheit an, denn er und ich haben nur Nervenkraft genug, um unsern Weg friedlich zu gehen. Sag ihm von mir die herzlichsten Grüße...

29. März ... Liebe Freundin, ich habe eben „Prometheus“ gelesen. Es ist eine Unfläterei. Weit entfernt, darüber zu lachen, fühle ich nur Abscheu. Sag meinem Freunde Wieland, daß es unter seiner Würde sei, sich mit bösen Bubens abzugeben. Er weiß, wie sehr mir sein Rezept von Streichen auf die Fußsohlen sonst widerstrebt, aber für diesen da weiß ich kein anderes Heilmittel. 

Das ist sicher: Goethe und ich werden uns nie im selben Zimmer befinden! Ich möchte wohl, daß Wieland ihm nicht antworte. Was er gesagt hat, verdient die größte Verachtung, und ein Stück wie sein „Prometheus“ ist nur das Seitenstück von denen Wichmannschen, unleserlich? und Riedelschen Possen, welche man verachtet. Das ist meine Meinung.

Die Worte zwischen "... " sind auch in der Urschrift deutsch. Für " gemeiner Kerl " steht im Französischen vilain, für "Unfläterei "ordure.

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