> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...19. 12.1774 Henriette von Knebel an ihren Bruder Karl (130)

2015-09-05

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...19. 12.1774 Henriette von Knebel an ihren Bruder Karl (130)





19. Dezember


Nürnberg. Henriette von Knebel an ihren Bruder Karl

Du kannst Dir meine Freude vorstellen, Bester, als ich gestern abends Deinen Brief von Mainz erhielt. Die Freude, daß ein Goethe weiß, daß auch ich existiere, sogar an mich schreibt — mir ist noch, als wenn ich träumte, ob ich wohl den Brief schon ganz auswendig weiß. Höre, mein Bester, mein Liebster, ich muß diesem Mann antworten, anders kann ich nicht, und wiewohl ich den ganzen Tag an ihn denke, auch wohl schon zehn Briefe an ihn geschrieben habe, so habe ich doch nicht das Herz, einen davon wegzuschicken. Nicht um meiner Ehre willen möchte ich einen schlechten Brief an diesen Mann schreiben und ihm die gute Idee benehmen, die ihm vielleicht mein Karl von mir mag beigebracht haben, und niemand habe ich um mich, der mir helfen kann. Dieses alles mußte ich voraus sagen, um Dir meine Bitte begreifbar machen zu können. Nun, mein bestes Karlchen, hast Du nicht die Güte für mich und schreibst mir meine Antwort und schickst sie mir? Werde nur nicht böse, und erhöre meine Bitte! ...

Noch etwas habe ich auf dem Herzen. Ich habe ein Paar Filetmanschetten geendigt, die sehr hübsch ausgefallen sind. Sie haben mir Mühe gemacht, und ich habe sie zu meiner Belohnung für einen lieben Mann, für Dich, bestimmt. Nun möchte ich sie gar zu gern an Goethen schicken.

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