> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...28.12.1774 Bodmer an Meister (134)

2015-09-05

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...28.12.1774 Bodmer an Meister (134)






28. Dezember

Zürich. Bodmer an Meister

Ich habe Goethens „Hofmeister“ nicht gelesen. Seine „Alceste, Götter und Wieland“ ist eine Farce wie die Farce auf Bahrdts Übersetzung des Neuen Testamentes in der modernen Schönschreiberei. Wie da die vier Evangelisten mehr als Bahrdt persifliert, prostituiert werden, so sind in jenem Stück Euripides, Herkules mehr zu Narren gemacht als Wieland. 


Goethe verfertiget Narrenkappen mit Schellen, die er dann ehrbaren Männern ansetzet; die Gassenjungen laufen ihm nach und erheben huees. Goethe hätte doch nicht nötig gehabt, Persiflage anzuwenden. Wielands „Alceste“ ist in sich selbst schlecht genug, nichts weniger als griechisch ...

Wieland selbst hätte gewiß Goethen zum Shakespeare der Deutschen erhoben oder geschaffen, wenn dieser ihn nicht zum Narren gehabt hätte. Itzt sagt er nur, Goethe shakespearisiere zuweilen ...

Der „Clavigo“ ist Beaumarchais’ Erzählung, verhunzet. Goethen hat ihn weniger anschaulich machen wollen; aber so ward er auch trockener.

" Hofmeister ": Goethes und Lenzens Dramen wurden sehr viel verwechselt.


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