> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...07.02. 1776 Wieland an Andreä (232)

2015-09-18

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...07.02. 1776 Wieland an Andreä (232)



7. Februar

Weimar. Wieland an Andreä

Andreä war Aphoteker in Hannover, Schwager des Theaterdirektors Seyler.

Empfehlen Sie mich unserm Zimmermann; sagen Sie ihm, daß ich ... mich vom Hofe gänzlich in mein Schneckenhäuschen zurückgezogen habe. Und wiewohl Goethe des Herzogs Günstling, Freund und alles in allem auch mein ganz inniger Freund ist, so nehme ich doch nicht einmal indirecte nur den mindesten Anteil an irgend etwas, das unsern Hof, unser Gouvernement oder den Herzog persönlich betrifft, also daß weder Gutes noch Böses jemals auf meine Rechnung kommen kann noch soll. Deus nobis haec otia fecit! Soviel muß ich Ihnen von mir sagen, weil ich höre, daß gewisse Leute, die aus verächtlichen Ursachen meine und Goethens Feinde sind, allerlei Calumnien aussprengen und unter andern auch mich wegen meiner Konnexion mit Goethen mit in das, was hier geschieht und nicht geschieht, einmischen und zu einem, ich weiß nicht ob Akteur oder Souffleur oder Lichtputzer bei unserer Staatskomödie machen, da ich doch, Dank sei Gott und meinem Genius, ein bloßer Zuschauer bin, bereit, mit aller möglichen Bonhomie zu klatschen, wenn gut gespielt wird, und höchstens die Achseln zückend oder ein paar sacre bleus zwischen den Zähnen murmelnd, wenn es dumm geht. 

Goethe spielt seine Rolle edel und groß und meisterhaft. Außer der Erfahrenheit, die er nicht haben kann, fehlt ihm nichts. Wenn nicht viel Gutes hier durch ihn geschieht und viel weniger Böses, als sonst geschehen wäre, so wird die Schuld gewiß nicht an ihm liegen.

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