> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...Dezember 1775 Klinger an Lenz (216)

2015-09-16

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...Dezember 1775 Klinger an Lenz (216)



Ungefähr um diese Zeit

Gießen oder Frankfurt. Klinger an Lenz

Nach einer Schilderung der Armut, in der er emporgekommen.

Nun wollte ich auf Akademien gehn, hatte keine 100 Gulden. Ich ward mit Goethe bekannt. Das war die erste frohe Stunde meiner Jugend. Er bot mir seine Hülfe an. Ich sagte nicht alles und ging so, weil ich lieber sterben wollte, als unverdient was annehmen. Die 100 Gulden waren bald all. Der große Goethe drang in mich, machte mir Vorwürfe, und nun leb ich schon ein ganzes Jahr von seiner Güte. 

O Lenz, bin ich Ihnen nicht verächtlich? Ich wäre tausendmal lieber gestorben, kann ich Ihnen sagen, was mich’s kostete. Aber Goethe! o wenn ich seiner wert würde! Wenn ich’s ihm erstatten könnte, um froh zu sterben! Ich bin nicht Herr über mich, bis das geschehen ist. Und die Angst, er möchte sich manchmal einfallen lassen, meine Liebe zu ihm rühre aus Intresse her!

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