> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...03.08.1775 Bodmer an Meister (188)

2015-09-13

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...03.08.1775 Bodmer an Meister (188)



3. August

Zürich. Bodmer an Meister

Die „Leiden Werthers“ haben zwanzig Brochures verursachet, und ich glaube, daß die Fürsehung so aus dem Bösen Gutes herausgesponnen habe. Die „Briefe an eine Freundin und „Werthers Zuruf aus der Ewigkeit“  sind Stücke, die ein Bischof oder ein Kämmerer lesen sollte.

Doktor Goethen, ist acht Tage (nach der Rückkehr aus dem Gebirge) bei Herrn Lavater gewesen. Ich hab ihm nicht geschmeichelt, aber ihn auch nicht beleidiget und damit gewonnen, daß er etwas aus mir machet.

Man erzählt, Herr Lavater urteile von ihm, er sei der wärmste Freund und der gefährlichste Feind der Religion und Tugend. Ich verstehe diesen Ausdruck nicht, und wenn es nicht (Schwulst) ist, so bin ich ein wenig dumm.

Goethen sagte, seine „Leiden Werthers“ seien Historie und Natur; der Historiker habe nicht nötig, die Personen gerecht zu schildern. In der Tat aber ist es nur Erdichtung; er ist der Poites, der Schöpfer dieser „Leiden“. Und ein poetischer Schöpfer sollte doch in seiner Welt, das ist in seinem Gedichte, strafen, da er es in der künftigen Welt nicht kann wie der wahre Schöpfer.

Kämmerer: damals in der Schweiz ein geistliches Amt. Der Angeredete war Kämmerer von Küssnacht.

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