> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.09.1775 Heinse an Gleim (190)

2015-09-13

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.09.1775 Heinse an Gleim (190)



8. September

Düsseldorf. Heinse an Gleim

Daß Goethe Götterkraft hat in seinem Wesen, weiß jedermann ... 

Nur bitt ich Sie, nicht mehr zu glauben, daß er das Ding gemacht: „Prometheus und Deukalion usw.“ Ich bin von dem Gegenteil überzeugt wie von meinem Leben. Mein liebster unter meinen jungen Freunden, Diehl, der sich zu Frankfurt aufhält, kennt den Menschen Wagner, der es gemacht hat und auch zu Frankfurt lebt, und weiß es gewiß, daß er es gemacht hat. Er schreibt mir von ihm: „Seine Gesichtsbildung ist mehr faunisch als natürlich oder menschlich, und zum Aushöhnen ist er geboren; ich möchte nicht mit ihm umgehen, viel weniger Freund von ihm sein“ usw.. 

Und was müßte Goethe für ein Mensch sein, wenn er sich und seine Ehre einem solchen anvertrauen könnte? Es ist nicht möglich! Und dann ist selbst in dem Stücke kaum Goethens Manier in Knittelversen, geschweige sein Geist. Ich habe von Goethen eine Ode des Prometheus gelesen: da ist Prometheus was anders als der Wagnerische, dessen ganze Allegorie überhaupt abgeschmackt und wahrer Unsinn ist. Goethens „Götter, Helden und Wieland“ ist dagegen, was eine Rotte afrikanischer Löwen gegen ein Dutzend Esel in deren Häuten ist.

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