> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.10.1775 Nicolai an Merck (195)

2015-09-14

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.10.1775 Nicolai an Merck (195)



8. Oktober

Leipzig. Nicolai an Merck

Zuerst über Lavaters " Physiognomik ".

Was hat Herr Goethe gedacht, als er das Lied am Ende des ersten Teils der „Physiognomik“ schrieb! Im Ernste kann er so etwas fast unmöglich schreiben! Und war’s Faunenblick, so — doch ich mag hier nichts weiter sagen. 

In dem 26. Band der „Bibliothek“ habe ich über seine kleine Pasquille meine Meinung ganz freimütig gesagt ... Was Herr Goethe über diese Rezension denkt, werde ich vielleicht nicht erfahren; aber ich wünschte sehr, Ihre offenherzige Meinung davon zu wissen ...

Ein fliegendes Blatt: „Menschen, Tiere und Goethe“ , hat mir, ich will es nicht leugnen, gefallen, weil es voll Geist ist, und auch, weil es mich verteidigt... Wofern Sie etwas von dem Verfasser hören, so ist’s mir angenehm, wenn Sie mir’s melden. — —

Nachschrift: Ich besitze ein Profil von Goethes Kopf, allem Ansehn nach von Lavater, mit Bleistift und sehr wenigem Schatten gezeichnet. Es mag wohl ähnlich sein, wenigstens enthält es sehr individuelle Züge. Ich wollte es für die „Bibliothek“ stechen lassen, wenn ich gewiß wäre, daß er es nicht für Schmeichelei und Andringlichkeit annehmen wollte. Sosehr ich das Wohlwollen eines Mannes von Talenten schätze, so mag ich doch nicht durch Hinterwege hineindringen. Man meldet mir ohnedies Wunderdinge von seinem Zorne wider mich, die, wenn sie wahr sind, mich nicht zu gleichem Zorne, aber vielmehr zu wahrem Mitleiden bewegen würden ...

Das Lied: " Ach, dass die innere Schöpfungskraft... " 
Das Pasquill: " Götter, Helden und Wieland ", Das Gegen-Pasquill war von J.J. Hottinger.

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