> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...20.11.1774 Bodmer an Schinz (122)

2015-09-04

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...20.11.1774 Bodmer an Schinz (122)

 

20. November

Zürich. Bodmer an Schinz

Bodmer sollte an Lavater geschrieben haben: er könne nicht, ruhig sterben, ehe er Goethe gesehen habe.

Sehen Sie, mein Wertester, wie man unsern Ausdruck erweitern kann! Ich schrieb Herrn Lafvater nur, er sollte Goethen sagen, daß er seine Herkunft beschleunige; ich möchte ihn gern sehn und könnte nicht lange mehr auf ihn warten. 

Welche Niederträchtigkeit, wenn ich nicht ruhig sterben könnte, ohne den Mann zu sehn, der die Farce „Die Götter, Helden und Wieland“ geschrieben hat! Ich bewundere den „Götzen von Berlichingen“ lange nicht wie Wieland, der ihn shakespearisiert, wiewohl er ihn lieber däumelte. Was ich von „Werthern“ halte, wissen Sie itzt... 

Die Jünglinge finden in Goethens Werk Sophismen für die ausschweifendste Leidenschaft. Ich kann es den Theoristen der Religion nicht verzeihen, daß sie gegen Gleims, Jacobis, Wielands, der „Laidon“  Verführungen so gleichgültig dastehn.

"Laidon" oder die eleusinischen Geheimnisse: ein Wort von Heynse


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