> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen 25.03.1776 Wieland an Merck (243)

2015-09-20

W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen 25.03.1776 Wieland an Merck (243)



25. März

Weimar. Wieland an Merck

Goethe bleibt nun wohl hier, solange Karl August lebt, und möchte das bis zu Nestors Alter währen! Er hat sich ein Haus gemietet, das wie eine kleine Burg aussieht, und es macht ihm großen Spaß, daß er mit seinem Philipp ganz allein sich im Notfall etliche Tage gegen ein ganzes Korps darin wehren könnte, insofern sie ihm das Nest nicht überm Kopf ganz anzündeten. Er ist auch im Begriff, einen Garten zu kaufen, welches ich auch getan habe, also und dergestalt, daß wir beide (notabene: ohne vorgängige Abrede) uns beinahe in ein und ebendemselben Augenblick in den weimarischen Philisterorden begeben haben — welches dann mit alledem lustig genug ist. 

Gestern abend ist er auf einmal nach Leipzig abgesurrt, wird aber hoffentlich bald wiederkommen. 

Für mich ist kein Leben mehr ohne diesen wunderbaren Knaben, den ich als meinen eingebornen einzigen Sohn liebe und, wie einem echten Vater zukommt, meine innige Freude daran habe, daß er mir so schön übern Kopf wächst und alles das ist, was ich nicht habe werden können.

Ein Haus gemietet: am jetzigen Burgplatz. Philipp: seinen Diener und Schreiber Seidel.

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