> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen: 19.06.1776 Zimmermann an Herder (265)

2015-09-22

W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen: 19.06.1776 Zimmermann an Herder (265)



19. Juni

Hannover. Zimmermann an Herder

Was aber ganz Deutschland weiß, ist kein Arkanum, nämlich die Wirtschaft in Weimar! In meinem Brief vom 15. Junius habe ich noch geschwiegen. Da Sie aber, mein Geliebter, so sehr auf Nachricht dringen und da ich Goethen nicht mehr zu fürchten Ursache habe als meinen Schatten, so will ich Ihnen eine ganz äußerst zuverlässige Nachricht von allem aus einem Briefe von der größten Freundin, die Goethe in Weimar hat, mitteilen ...

Folgt Abschrift aus dem Briefe der Frau v. Stein an die Regierungsrätin Luise v. Döring, vom 10. Mai.Vgl.S. 185.

Diese Nachricht, lieber Herder, ist von einer Person, die Goethe sehr liebt und von der er auch geliebt ist. Urteilen Sie nun, wie andere Nachrichten lauten! Ich weiß viele aus den Briefen der ersten Personen des Hofes, Nachrichten aus Briefen der jungen Herzogin, die äußerst unglücklich sein muß, an ihre Schwester in Karlsruhe. Und dieses alles klingt so sanft nicht.

Daß man über solche Facta auch sehr deräsoniert, Ursachen sucht, wo sie nicht sind, Goethe verflucht, wo man ihn loben sollte, ist Ihnen gewiß nach dem Laufe der Welt sehr begreiflich. Daß aber auch die Genies nach der neuesten Mode ... sich zuweilen in ihren Handlungen verirren, werden Sie, lieber Herder, billig genug sein, ebenfalls zuzugeben ...

Daß Goethe, bloß um in Weimar zu bleiben, eine Pension von 1000 Taler hat, werden Sie wissen.

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