> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen: 18.06.1776 Weiße an Blankenburg (264)

2015-09-22

W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen: 18.06.1776 Weiße an Blankenburg (264)



18. Juni

Leipzig. Weiße an Blankenburg

In den ersten Tagen des Aprils hatte Goethe in Leipzig die alten Bekannten wieder aufgesucht, auch den Kreisteuereinnehmer Christian Felix Weiße, der damals zu den angesehensten und geliebtesten deutschen Dichtern gehörte. Friedrich v. Blankenburg: ein unbedeutender Schriftsteller, der zumeist in Leipzig lebte.

Vor kurzem sprach ich Goethen, der, wie er sagt, seine literarische Laufbahn Lenzen überlassen; dieser wird uns mit einer Menge Trauerspiele beschenken, wovon „Der Engländer“, eine dramatische Phantasie, ein Pröbchen ist. Ich kann diese dramatischen Ungeheuer unmöglich mit Vergnügen lesen und werde bald dem Pastor Goetze recht geben. Doch scheint das Publikum auch nach und nach von der Bewunderung nachzulassen, und die Dramen und Volkslieder werden auch ihre Zeit gehabt haben.

Pastor Goetze: der streitbare Hamburger Haupt-Prediger, aus seinen Kämpfen mit Lessing bekannt, hatte sich auch heftig gegen " Werther " und " Stella " gewandt. Er forderte öffentlich die Konfiskation des " Werthers " und weissagte, alle Laster würden einreißen und die Christenheit sich in ein Sodom und Gomorrha verwandeln, wenn man weiter dulde, dass diese Apologie für den Selbstmord verbreitet und von leichtsinnigen Rezensenten gepriesen werde. Dem Dichter der " Stella " strafte er mit dem Spruch Gbr. 13, 4. " die Hurer und Ehebrecher, also noch vielmehr Diejenigen, welche Hurerei und Ehebruch schminken und reizend vorstellen, wird Gott richten.

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