> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen: Herzogin Anna Amalia an Minister v. Frizsch (253)

2015-09-21

W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen: Herzogin Anna Amalia an Minister v. Frizsch (253)



13. Mai

Weimar. Herzogin Anna Amalia an Minister v. Frizsch

Sie sind eingenommen gegen Goethe, den Sie vielleicht nur aus unwahren Berichten kennen oder den Sie von einem falschen Gesichtspunkt beurteilen. Sie wissen, wie sehr mir der Ruhm meines Sohnes am Herzen liegt und wie sehr ich darauf hingearbeitet habe und noch täglich arbeite, daß er von Ehrenmännern umgeben sei. Wäre ich überzeugt, daß Goethe zu diesen kriechenden Geschöpfen gehörte, denen kein anderes Interesse heilig ist als ihr eigenes und die nur aus Ehrgeiz tätig sind, so würde ich die erste sein, gegen ihn auftritt. 

Ich will Ihnen nicht von seinen Talenten, von seinem Genie sprechen; ich rede nur von seiner Moral. Seine Religion ist die eines wahren und guten Christen, die ihn lehrt, seinen Nächsten zu lieben und es zu versuchen, ihn glücklich zu machen. Das ist doch der erste, hauptsächlichste Wille unseres Schöpfers ... Machen Sie Goethes Bekanntschaft! Suchen Sie ihn kennenzulernen! Sie wissen, daß ich meine Leute erst gehörig prüfe, bevor ich über sie urteile ...

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