> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen Charlotte von Stein an Zimmermann (250)

2015-09-20

W. Bode: Goethe i.v. Briefen seiner Zeitgenossen Charlotte von Stein an Zimmermann (250)



10. Mai

Weimar. Charlotte von Stein an Zimmermann

Mir geht’s mit Goethen wunderbar. Nach acht Tagen, wie er mich so heftig verlassen hat, kommt er mit einem Übermaß von Liebe wieder. Ich hab zu mancherlei Betrachtungen durch Goethen Anlaß bekommen; je mehr ein Mensch fassen kann, deucht mir, je dunkler, anstöß’ger wird ihn das Ganze, je eher fehlt man den ruhigen Weg. Gewiß hatten die gefallnen Engel mehr Verstand wie die übrigen...

Ich bin durch unsern lieben Goethe ins Deutsch-Schreiben gekommen, wie Sie sehen, und ich dank’s ihm. Was wird er wohl noch mehr aus mir machen? Denn, wenn er hier, lebt er immer um mich herum. Jetzt nenn ich ihn meinen Heiligen, und darüber ist er mir unsichtbar worden, seit einigen Tagen verschwunden, und lebt in der Erde fünf Meilen von hier in Bergwerke ... 

Lenz, Goethens Freund, ist hier, aber es ist kein Goethe! 

Goethe und Wieland haben sich alle beide hier Gärtens gekauft, sind aber nicht Nachbarn, sondern liegen an verschiedne Tore. In Goethens Garten hab ich schon einmal Kaffee getrunken und von seinen Spargel gegessen, den er selbst gestochen und in seinen Ziehbrunnen gewaschen hatte. In Goethens Garten ist die schönste Aussicht, die hier zu haben ist. Er liegt an einen Berg, und unten ist die Wiese, die von einen kleinen Fluß durchschlungen wird.

Im Bergwerke: der Herzog wünschte in Ilmenau ehemals ertragreiche, aber seit langer Zeit verfallene Bergwerke wieder in Betrieb zu setzen. Goethe begeisterte sich auch dafür und wurde Mitglied einer Kommission, die die Vorarbeiten besorgte.

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