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2015-10-06

Briefe J.W.v.Goethe an Carl-August




Leipzig d. 25. Merz 76.

Lieber Herre, da bin ich nun. in Leipzig, ist mir sonderlich worden beym Nähern, davon mündlich mehr, und kann nicht genug sagen wie sich mein Erdgeruch und Erdgefühl gegen die schwarz, grau, steifröckigen, krumbeinigen, errückengeklebten, Degenschwänzlichen Magisters, gegen die Feyertags berockte, Allmodische, schlanckliche, vieldünckliche Studenten Buben, gegen die Zuckende, krinsende, schnäbelnde, und schwumelende Mägdlein, und gegen die Hurenhaffte, strozzliche, schwänzliche und finzliche Junge Mägde ausnimmt, welcher Greuel mir alle heut um die Thoren als an Marientags Tags Feste entgegnet sind. Dagegen preservirt mein äuseres und inneres der Engel die Schrötern von der mich Gott bewahre was zu sagen. Sie grüsst und Steinauer nach Maasgabe ihres Beyleyds über Hochdero Ausenbleiben und so weiter. Ich bin seit vier und zwanzig Stunden
|: denn es ist netto Abends Achte :| nicht bey Sinnnen, das heisst bey zu vielen Sinnen, über und unsinnlich. Habe die Nacht durch manches Knäulgen Gedancken Zwirn auf und abgewickelt, diesen Morgen stieg mir die göttliche Sonne hinter Naumburg auf. Ade lieber gnädiger Herr! - Und somit können Sie nie aufhören zu fühlen, dass ich Sie liebhabe. 

NB.

Bleibe das wahre Detail zur Rückkunft schuldig, als
da sind pp. 

G.
18. Febr. 81. 

So gros als die Begierde war in mir
Die altgeliebten Bilder zu erlangen,
Mit gleicher Lust geb ich sie dir
Und scheine sie dadurch erst zu empfangen.

G.
d. 23. März 81.

Dancke tausendmal für die schöne Zeichnungen, und wünsche daß die Reise in allem Sinn wohl bekommen möge. Gehn Sie nur auf dem wiederbetretenen Hausboden sachte und nehmen sich in acht daß nicht die gewöhnliche Würckung Sie überfalle. Ich hoffe auf das Frühjahr wo ich hoffe uns die Dialogen in freyer Lufft besser als noch nie bekommen sollen. Es geht mit dem guten wie mit den Quecken, die Cur schlägt erst im dritten Jahre Wiederhohlung recht an.

 G.

An den Herzog Carl August                     Carlsbald d. [15.] Aug. 1785.

Eh ich von Carlsbad abreise muß ich Ihnen für Ihren lieben Brief dancken von dem ich eine Vorempfindung hatte und der mir viel Freude gemacht hat. Möge Reise und Cur Ihnen und Ihrer Frau Gemahlinn recht wohl bekommen! Bringen Sie uns alsdann noch einen geschickten Arzt mit; so werden wir mancher Sorge überhoben seyn.

Ich bin während meines hiesigen Aufenthalts in eine solche Faineantise verfallen, die über alle Beschreibung ist. Die Wasser bekommen mir sehr wohl, und auch die Nothwendigkeit immer unter Menschen zu seyn hat mir gut gethan. Manche Rostflecken die eine zu hartnäckige Einsamkeit über uns bringt schleifen sich da am besten ab. Vom Granit, durch die ganze Schöpfung durch, bis zu den Weibern, Alles hat beygetragen mir den Aufenthalt angenehm und interessant zu machen. Wie voll es hier war wird Ihre schöne Correspondent in schon gemeldet haben. Von Menschen zu reden enthalt ich mich bis zu meiner Rückkunft. Ich schäme mich wenn ich Ihren Brief ansehe und mich so ungeschickt zum schreiben fühle.

Ich dancke für Ihren herzlichen Antheil an dem Übel das mich zu Neustadt 8 Tage hielt, es war eine Repetition meiner letzten Kranckheit, wir wollen hoffen daß es seltner kommen werde. Herder war recht wohl hier und auch meist zufrieden. Er hat sehr gefallen und man hat ihn auserordentlich distinguirt, besonders Fürst Czartorisky. Die Fürstinn Lubomirska, seine Schwester ist erst vorgestern weg. Weil sie zulezt fast ganz allein blieb, hab ich meinen Aufenthalt um 8 Tage verlängert, sie ist eine interessante Frau, wird auch nach Weimar kommen und sie und ihr Bruder haben, halb Scherz halb Ernst, versichert daß sie ein Haus dort haben wollten um eine Zeit des Jahrs daselbst zuzubringen. Es wird sich darüber reden lassen und ich habe die Sache eingeleitet wie ich erzählen werde. Viel Glück zur neuen Bekanntschafft der schönen Engländerinn, wenn anders Glück genannt werden kann, wieder auf ein gefährliches Meer gesetzt zu werden.

Auch ich habe von den Leiden des iungen Werthers manche Leiden und Freuden unter dieser Zeit gehabt. Ich freue mich nun noch zum Schlusse auf das Bildgen das Sie mir bringen. Die liebe Stein war meist wohl hier, und iedermann wollte ihr wohl.

Knebel war sehr lieb, treu und gut, er ist zu Imhofs der würcklich sein Gut verkauft hat und der, wenn man ihm einiges Agrement machte wohl nach Jena zöge. Knebel lässt sich's recht angelegen seyn um Ihnen auch etwas nütze zu werden und ich glaube daß wenn nur einmal ein Anfang ist; sich in Jena bald ein artiger Kreis versammeln soll.

Edelsheim ist vorgestern angekommen, und ich muß ihn leider verlassen. Er hat mir von Ihnen erzählt, und wir sind sonst im politischen Felde weit herumspaziert.

Morgen gehe ich weg, über Joachimsthal und Schneeberg nach Hause. Treffen Sie auch glücklich wieder ein, und lassen Sie uns iede Neigung, Freude und Hoffnung beym Wiedersehn erneut empfinden.

Leben Sie tausendmal wohl.

G

An den Herzog Carl August                 Jena d. 24. Jul. 1786.

Die Hoffnung den heutigen Tag noch mit Ihnen zuzubringen hat mich nicht allein getäuscht, sondern auch um ein Lebewohl gebracht. Eben war ich im Begriff Ihnen zu schreiben als der Husar ankam. Ich dancke Ihnen daß Sie mich noch mit einem freundlichen Worte beurlauben wollen. Behalten Sie mich lieb, empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlinn, die ich mit herzlichen Freuden wohl verlassen habe, und leben selbst gesund und froh.

Ich gehe allerley Mängel zu verbessern und allerley Lücken auszufüllen, stehe mir der gesunde Geist der Welt bey! Die Witterung lässt sich gut an und ich freue mich
derselben sehr. Leben Sie noch und abermals wohl.

Goethe.
        
Durchlauchtigster Herzog,

Gnädigst regierender Fürst und Herr!

Die Propositionen, welche die Hackertschen angeblichen Erben in ihrer jüngsten Eingabe gemacht haben, sind schlechterdings nicht von der Beschaffenheit, daß ich mich darauf einlassen könnte. Ich habe mich daher entschlossen, aller Ansprüche auf die Hackertschen Papiere mich zu begeben und überreiche also Ew. Herzoglichen Durchlaucht beygehen die aus Italien mir zugesendeten Hackertschen Papiere versiegelt, mit der unterthänigsten Bitte: dieselben den Personen, die zu den Eigenthumsrechten auf solche sich gehörig legitimiren werden, aushändigen zu lassen.

Ich bemerke dabey, daß der verstorbene Hackert in seinem Testamente fünf Erben, und unter diesen seinen Bruder Georg, genannt hat. Soviel ich weiß, ist dieser vor ihm unverheirathet, also ohne eheliche Descendenz, verstorben. Ob aber die gegen mich implorirenden Dorothea Hackert und Consorten dieselben sind, deren in dem Hackertschen Testamente Erwähnung geschiehet, kann ich nicht sagen, ich für mein Theil bezweifle es nicht, ich wünschte aber doch auch dagegen sicher gesetzt zu
seyn, daß ich nicht noch einmal in Anspruch genommen würde.
In tiefster Ehrerbietung verbleibe ich

Weimar

Ew. Herzoglichen Durchlaucht

Johann Wolfgang von Goethe.

An den Großherzog Carl August

Ew. Königl. Hoheit

gnädigster Äußerung zu Folge begebe mich heute nach Jena um dort in loco die bekannten Gegenstände aufmerksam zu betrachten und zu Höchstihro Empfang einiges vorzubereiten. Beyliegende Dubia Voigts und Ottenys sind wohl am  sichersten am Orte zu beseitigen.

Die Catalogen haben auf die Bibliothek gegeben, ein Werk ist angestrichen worden. In Hoffnung mich Ihro Gegenwart bald zu erfreuen.

unterthänigst

Weimar d. 11. May 1816. Goethe.

An den Großherzog Carl August


Ew. Königliche Hoheit

haben einen aus der Eisenberger Gefangenschaft erlösten Sextanten mir gnädigst zugesendet, welchen auf die jenaische Sternwarte schaffen lasse, um vorerst zu vernehmen, in welchem Zustande er sich befindet, und das Weitere sodann anzuordnen. Ich muß, da von einem Theodoliten die Rede ist, bemerken, daß ein solcher, der früher bey dem Hofrath Voigt verwahrt wurde, in Jena bey dem Professor Fries befindlich ist, der sich ihn zu seinen Vorlesungen ausgebeten, um seinen Zuhörern einen Begriff von diesem Instrument zu geben. Da nun dieser  Zweck erreicht ist, so frage an, ob derselbe nicht auch auf der Sternwarte zu verwahren wäre? Die Nachricht von einigen Kupferstichen nach van der Helst erhielt auf Anfrage von Leipzig. Da der eigentliche Zweck dadurch nicht erreicht worden, so bitte solches wenigstens als schuldige Bemühung anzusehen.

verehrend.

unterthänigst

Weimar den 11. März 1827. Goethe.

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