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2015-10-06

Goethe-Mein Faust-Urfaust-3-1774 (3)




1774


Schönborn war ein deutscher Diplomat der in dänischen Diensten stand. Auf seiner Reise zu seinem neuen Dienstort in Algier war er Gast im Elternhaus von Goethe und beide freundeten sich an. 

2. Goethe an Schönborn Frankfurt, 1. Juni - 4. Juli 1774

Noch einige Plane zu grosen Dramas hab ich erfunden, (1) das heisst das interessante Detail dazu in der Natur gefunden und in meinem Herzen. Mein Cäsar der euch einst freuen wird, scheint sich auch zu bilden. Mit Critick geb ich mich gar nicht ab. Kleinigkeiten schick ich an Claudius und Boje, davon ich diesem Brief einige beyfügen will.... 

Der ganze Brief
Vom 18. Juli bis 12. August reisten Goethe, Lavater , (2) Schmoll und der Pädagoge J. B. Basedow  von Ems aus auf den Flüßen Lahn und Rhein. Es ist sehr wahrscheinlich das auf dieser Reise vom Faust gesprochen wurde wie der unten stehende Brief von Lavater es nahe legt. Merkwürdig ist das Lavater das aber nicht in seinem Reisebuch erwähnt.

3. Lavater an Goethe   Zürich, Mitte September 1774

Werther durch Fink über die Post - u. Faust - ein paar Stellen draus - u. dann Billiets von meinem Weibchen - u. von mir. Adieu.

Der ganze Brief

Das freundschaftliche Verhältnis von Goethe und Lavater wurde später getrübt und zerbrach 1786 entgültig. Goethe nahm ihm seine Bekehrungsversuche übel und beide hatten auch unterschiedliche religiöse Auffassungen. Gegenüber Eckermann (3) äußert sich Goethe später: 

Lavater war ein herzlich guter Mann, allein er war gewaltigen Täuschungen unterworfen, und die ganz strenge Wahrheit war nicht seine Sache, er belog sich und andere. Es kam zwischen mir und ihm deshalb zum völligen Bruch. Zuletzt habe ich ihn noch in Zürich gesehen, ohne von ihm gesehen zu werden. Verkleidet ging ich in einer Allee, ich sah ihn auf mich zukommen, ich bog außerhalb, er ging an mir vorüber und kannte mich nicht. Sein Gang war wie der eines Kranichs, weswegen er auf dem Blocksberg als Kranich vorkommt.« Ich fragte Goethe, ob Lavater eine Tendenz zur Natur gehabt, wie man fast wegen seiner >Physiognomik< schließen sollte. »Durchaus nicht,« antwortete Goethe, »seine Richtung ging bloß auf das Sittliche, Religiöse. Was in Lavaters >Physiognomik< über Tierschädel vorkommt, ist von mir.«


Eckermann: Gespräche mit Goethe 17.02.1829
In einem Brief vom 1. Oktober wird Lavater ungeduldig und schreibt: ".. .Fausten' — und ,Werther' — erwarten wir mit Tage zählen"  (Siehe oben)
Goethe war vom 15-17. Oktober Gast bei dem Dichter Heinrich Christian Boie.(4) Goethe las in Szenen aus dem Faust vor.

4. Boie in sein Brief-Tagebuch 15. Oktober :

„Einen ganzen Tag allein, ungestört mit Goethen zugebracht. ... Er hat mir viel vorlesen müssen, ganz und Fragment, und in allem ist der originale Ton, eigne Kraft, und bei allem Sonderbaren, Uncorrecten, alles mit dem Stempel des Genies geprägt. Sein ,Dr. Faust' ist fast fertig, und scheint mir das Grösste und Eigenthümlichste von Allem"
Karl August (5) und sein Bruder sowie Knebel besuchten Frankfurt und Letzterer besuchte Goethe am 11.- und 12. Dezember. Später schreibt er von Karlsruhe aus an Bertuch: 

5. Knebel (6) an Bertuch, (7) 23. 12. 1774 

"Ich habe einen Haufen Fragmente von ihm, unter andern zu einem „Doctor Faust“, wo ganz ausnehmend herrliche Szenen sind. Er zieht die Manuskripte aus allen Winkeln seines Zimmers hervor."


Am 11. Dezember wird Goethe den Prinzen Karl August und Konstantin von Weimar
vorgestellt. An diesem Tag beginnt eine Freundschaft in dessen Folge Goethe nach Weimar zieht.

1. Zur gleichen Zeit arbeitete Goethe am "Prometheus" und an "Mahomet" so das der "Faust" nicht zwingend gemeint sein muß.


3. Johann Peter Eckermann: * 21. September 1792 in Winsen (Luhe); † 3. Dezember 1854 in Weimar           
Nachdem Eckermann sein Studium  wegen Geldmangel aufgeben mußte zog er nach Empelde bei Hannover. Durch sein Vorbild Goethe angeregt, fing er an selber Verse zu schreiben. In Empelde entstandn die "Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe". Da das an Goethe übersendete Manuskript positiv aufgenommen wurde, besuchte er den 74 jährigen Dichter am  10. Juni 1823 in Weimar. Hier nahm er sogleich editorische und organisatorische Arbeiten für Goethe in Angriff. Obwohl Goethe ihn bezahlte Arbeit verschaffte lebte Eckermann immer am Existenzminimum da er seine Zeit fast vollständig im Dienste Goethes verbrauchte. Goethe setzte ihn und Riemer als literarischen Nachlassverwalter ein. Nach dem Tode Goethes wurde es ruhig um Eckermann und in Weimar wurde er kaum noch beachtet. 1836 erschien sein Buch "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens" in zwei Teilen. Ein dritter Teil erschien 1848.

Während seine Gedichte wenig beachtet wurden brachten ihm seine "Gespräche" große Anerkennung. Zeitgenossen  und Nachwelt urteilen unterschiedlich über Eckermann und oft wurde er, ohne seine großen Dienste zu beachten, verspottet. Insbesondere H. Heine spielt dabei eine unrühmliche Rolle. Selbst ohne die "Gespräche mit Goethe" ist ihm der Verdienst nicht abzusprechen das er Goethe den Rücken frei hielt, so das der Dichter seinen "Faust" vollenden konnte. Goethe sagt selber: "Eckermann ist vorzüglich die Ursache, daß ich den Faust fortsetze". Weiter urteilt Goethe:

Brief an Marianne von Willemer, 9.11.1830: »Den guten Eckermann hätt' ich Ihnen näher bekannt gewünscht. Das Problematische an ihm löst sich auf, wenn man erkennt, dass er eine einfach reine Seele ist, die mit sich und der Welt ebenfalls gern rein seyn möchte. Wie wenige jedoch gelangen dazu! Ein Wesen wie das seinige kann sich nur nach und nach offenbaren«

Brief an Friedrich Zelter 14.12.1830: »Der getreue Eckart ist mir von großer Beihülfe. Reinen und redlichen Gesinnungen treu, wächst er täglich an Kenntnis, Ein- und Übersicht und bleibt, wegen fördernder Teilnahme, ganz unschätzbar.«

Heute sind die unbestreitbaren Verdienste Eckermanns allgemein anerkannt und Literaturwissenschaftler schöpfen immer noch Erkenntnisse aus seinen "Gesprächen mit Goethe". Das Werk ist inzwischen in viele Sprachen übersetzt und kann durchaus als ein Buch der Weltliteratur bezeichnet werden.

4. Heinrich Christian Boie: 19. Juli 1744 in Meldorf;   25. Februar 1806 ebenda) war ein deutscher Dichter und Herausgeber
Boi und Wilhelm Gotter gründeten das Göttinger Musenalmanach das bis 1774 bestand und ein Plattform für die moderne Literatur der Zeit wurde.




7. Friedrich Justin Bertuch: Friedrich Johann Justin Bertuch 30. September 1747 in Weimar; -3. April 1822 in Weimar war ein deutscher Verleger und Mäzen
Siehe auch: Deutsche Biographie


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