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2015-11-01

J.H.Merck-Gedichte: Der Löwe und der Bucklichte (4)



 Der Löwe und der Bucklichte

Der Löw verließ, von Wut entbrannt,
Sein Lager, um den Täter zu entdecken,
Der seine Jungen ihm entwandt,
Sein Schmerz erfüllt das Land mit Schrecken;
Itzt traf er einen häßlich kleinen Mann,
Der bucklicht war, im Walde schlafend an.
Sein Grimm, geschäftig sich zu rächen,
Weckt bald den armen Fremdling auf.
AVer bist du, Freund? - Du willst nicht sprechen?“
Erschrocken sah der Fremdling auf:
,Ich bin Äsop.“ - „Äsop?
Der Richter über Ruhm und Lob?
Dich muß ich wohl zufrieden lassen,
So schlecht es mir auch itzt gefällt,
Wenn ich nicht will, das noch die spätste Welt
Mich soll als einen Wütrich hassen.“

Ihr, die ihr von Natur nicht menschenfreundlich seid,
Ihr Großen, seid’s, weil es die Klugheit euch gebeut.
Beschützet das Talent, den Redner und den Dichter,
Sie geben die Unsterblichkeit.
Die Nachwelt, die nicht gern verzeiht,
Hört sie allein als eure Richter.

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