> Gedichte und Zitate für alle: J.v.Eichendorff- Gedichte v. 1841- Sonette 1 (290)

2015-10-11

J.v.Eichendorff- Gedichte v. 1841- Sonette 1 (290)

 


Sonette

1.

Es qualmt' der eitle Markt in Staub und Schwüle,
So klanglos öde wallend auf und nieder,
Wie dacht ich da an meine Berge wieder,
An frischen Sang, Felsquell und Waldeskühle!

Doch steht ein Turm dort über dem Gewühle,
Der andre Zeiten sah und bessre Brüder,
Das Kreuz treu halten seine Riesenglieder,
Wie auch der Menschlein Flut den Fels umspüle.

Das war mein Hafen auf der weiten Wüste,
Oft kniet ich betend in des Domes Mitte,
Dort hab ich dich, mein liebes Kind, gefunden;

Ein Himmelsbote wohl, der so mich grüßte:
»Verzweifle nicht! die Schönheit und die Sitte
Sie sind noch von der Erde nicht verschwunden.«

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