> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 23.09.1784 Knebel an seine Schwester Henriette (339)

2015-10-26

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 23.09.1784 Knebel an seine Schwester Henriette (339)



23. September

Jena. Knebel an seine Schwester Henriette

Goethe kam mit dem kleinen Stein vorigen Sonntag früh herüber, mich zu besuchen. Du kannst glauben, daß mir der Besuch lieb war, zumalen Goethe von Braunschweig, wo er mit dem Herzog war, und von einer wichtigen Harzreise zurückkam. Ich kann mich in keine Sinnesart, wenn er mir zumalen gegenwärtig ist, leichter schicken als in die von Goethe; abwesend hat er mir zuweilen wehe getan ... Er war, wie gewöhnlich, gut, traktierte von seinen hiesigen Geschäften, gab mir einige Winke von dem, was er gesehen, bemerkt ...

Den Morgen darauf fuhr ich nach Tiefurt, weil mich die Herzogin dahin bestellt hatte. Sie wollte mir eine kleine Fete geben ... Wir sahen die Zeichnungen, die Kraus mit Goethe von den Harzgegenden aufgenommen hatte, seltsam schön und wohl vierzig an der Zahl. Gegen Abend kamen unsre Werten aus der Stadt und mit ihnen Jacobi aus Düsseldorf und seine Schwester ... Abends war Illumination, die schon zu Goethes Geburtstag bereitet war. Der alte Oeser, der auch zugegen war, hatte einen herrlichen Transparent dazu gemalt, wo sich Tugend und Genie über einem Altar die Hände geben und mit der Fackel die Flamme des Altars anstecken; oben sah man in Olivenkränzen Goethes und Herders Silhouette. Meine Verse darunter waren folgende:

Reine Glut entflammet vom Himmel; Ihr bracht’t sie 
hernieder:
Nehmt von unserm Altar Freundschaft und Liebe zurück!

Oeser ließ noch in dem gegenüber etwas erhaben liegenden Hölzchen einige Reisbündel anzünden, welches eine herrliche Erleuchtung gab, zumalen da er einige große Figuren, in Form von Statuen, die er dazu gemalt hatte, hineinsetzen ließ ...
Den andern Tag gab Wieland ein Convivium ...

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