> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 26.12.1784 Albertine v. Grün an Merck (347)

2015-10-28

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 26.12.1784 Albertine v. Grün an Merck (347)



26. Dezember

Hachenburg. Albertine v. Grün an Merck

Karl August kam im Spätjahr auf einer politischen Reise nach Zweibrüken zweimal mit Merck zusammen und sagte Diesen wohl auch, das er sich mit Goethe in Frankfurt treffen wolle. Dieser aber folgte der Einladung nicht. Über Fräulein v. Grün, die sich nun den Herzog, Goethe und Merck zusammen dachte, vgl. 1781, 14. November

Sie werden recht in Ihrem Kronleuchter gewesen sein, wie der Herzog Ihres Herzens bei Ihnen war ... Von Goethe sollte ich billig schweigen, aber ich will es doch nicht, denn was könnte Ihnen daran gelegen sein, mich zu verraten und so ein armes Geschöpf an den Triumphwagen der Eitelkeit Ihres Freundes zu spannen, das so schlechte Figur daran machen würde. Wenn ich alle menschlichen Vollkommenheiten besäße, Schönheit, Verstand usw., und ein Königreich wäre mein Erbteil, so wünschte ich jetzo bei Ihnen zu sein, um zu ihm sagen zu können: „Baisse votre cou, fier Sigamber!“ wie ein Priester zum König Chlodwig, als er ihm die Königskrone aufsetzte. Possen sind’s, lieber Herr Kriegsrat, und nichts weiter. Glauben Sie, daß ich so eine Närrin wäre und Schönheit, Krone und Leben wagte, um mir einen Herrn, einen unumschränkten Gebieter zu geben? Darum halte ich’s aber für gut, bei solchen Gelegenheiten schön zu Hause zu bleiben, damit man nicht eine unglücklich Liebende oder eine verwünschte Prinzessin werde. Doch wenn Sie mir gut sind, erzählen Sie mir von Goethe in Ihrem nächsten Brief. Sie wissen’s, wie sehr er zu meinen Götzen gehört.

Schlechte Figur: sie war schön und in jeder Hinsicht vortrefflich, aber sie hinkte.

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