> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...03.09.1781 Karoline Michaelis an Julie von Studnitz (289)

2015-10-17

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...03.09.1781 Karoline Michaelis an Julie von Studnitz (289)



3. September

Göttingen. Karoline Michaelis an Julie von Studnitz

AdF. Ich habe Dir noch nicht gesagt, daß der Herzog von Weimar hier war und meinem Vater einen Besuch gemacht hat ... Es scheint indessen, daß der Herzog sich sehr gebessert hat, ebenso wie sein Günstling Goethe; wenigstens hat man mir es immer gesagt. Aber kürzlich hat man mir so viele Züge von diesen beiden in bezug auf die junge Herzogin von Meiningen und auch noch andere Geschichten erzählt, daß ich mich versucht fühlte, mein Urteil zurückzunehmen. Doch ist es mir fast unmöglich, sie völlig zu glauben, weil der Herzog von Gotha darin auch eine Rolle hätte spielen müssen. Du, meine liebe Freundin, müßtest doch wissen, ob es wahr ist, daß euer Herzog der Herzogin von Meiningen den Hof gemacht hat und daß sie nur fünf Tage am Gothaischen Hofe geblieben sind, weil Goethe und der Herzog von Weimar sich bemüht haben, dem Herzog von Meiningen Eifersucht einzuflößen, der dann zuerst abgereist sei und seine Frau habe nachkommen lassen usw.

Gemeint ist der meiningische Herzog Karl August, der im nächsten Jahre starb. Seine schöne Witwe, eine Prinzessin von Stolberg, heiratete später den Herzog Eugen von Würtemberg. Die Briefeschreiberin ist die nachmalige Böhmer-Schlegel-Schelling. Ihr Vater war ein berühmter Kenner des Morgenlandes.

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