> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...09.01.1778 Merck an Lavater (322)

2015-10-04

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...09.01.1778 Merck an Lavater (322)



9. Januar

Darmstadt. Merck an Lavater

Goethen betreffend ... Ich habe mich vorigen Herbst im Monat September auf meinen Fuchs gesetzt und bin nach Eisenach zu dem herrlichen Menschen wallfahrten gegangen, allwo ich denn auf der Wartburg ein vierzehn Tage, wie Sie denken können, in Wohlleben mit ihm verbracht habe.

Seine Situation ist die beste, die er sich nur wünschen kann. Er lebt völlig nach seinem Kopfe in dem Hause des Herzogs, als wenn’s in dem meinigen wäre, hat nicht das geringste, wie die Esel prätendieren, von seiner ehemaligen poetischen Individualität abgelegt, dagegen aber an Hunger und Durst nach Menschenkenntnis und Welthändeln und der daraus folgenden Weisheit und Klugheit wie ein Mann zugenommen. 

Der Herzog ist einer der merkwürdigsten jungen Leute, die ich je gesehen habe ... Goethe liebt ihn wie keinen von uns, weil vielleicht keiner ihn so nötig hat als dieser, und so wird ihr Verhältnis ewig dauren — denn Goethe kann ihn nicht verlassen, oder er müßte nicht mehr der sein, der er ist, und der Herzog wird je sowenig mit ihm brechen als einer von denen, die Goethes Freunde sind.

Unter den 14. Januar 1778 verzeichnet Hegner folgende Briefstelle Mercks an Lavater: "Der Druck, worin Wieland unter den Potentaten Herder und Goethe lebt, hat ihm allen Schmutz der Eitelkeit abgebrannt, und er ist so ein bonhomischer, guter Junge, das er mir höchst heilig ist. Nur zu kleinmüthig haben ihn die Pursche gemacht, und das ist wieder nichts nütze".

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