> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...23.11.1779 Bodmer an Schinz (355)

2015-10-10

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...23.11.1779 Bodmer an Schinz (355)



23. November

Zürich. Bodmer an Schinz  

Bodmer schildert eingehend den Besuch, den Karl August, Goethe, Wedel und Lavater ihm am 20.ten ihm gemacht. Goethe habe ihn geküßt und seine Homer-Übersetzung höchlich gerühmt: er habe daraus den "Alpinern" vorgelesen, denn Leute von allen Ständen  und jedem Alter können ihn  verstehn. Das Gespräch betraf dann Stolbergs Ilias-Übersetzung. Klopstock, altdeutscher Dichter und Voltaire.

Als wir standen, stellte Lavater Goethe vor mich und sagte, ich solle die Augbraunen, die Stirne, den Mund (alles in seinen Kunstwörtern) begucken, ob ich darin nichteinen bösen Menschen erblicke. Ich gab die Antwort, ich sähe da nichts Fürchterliches; ich hielt’ ihn doch für tapfer, und ich freute mich, den tapfern Mann zum Freunde zu haben. Zuweilen geschähen mir Unfugen, die mir einen Beschützer notwendig machten. Goethe solle mein Ritter sein. Der Herzog redete viel, ganz sanft und vertraulicher als einer unserer Zunftmeister; Goethe weniger und ernsthaft.

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