> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...Im Mai 1781 Tobler an Lavater (281)

2015-10-16

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...Im Mai 1781 Tobler an Lavater (281)



Im Mai

Weimar. Tobler an Lavater

Johann Christian Tobler aus Zürich, Sohn des Chorherrn und Dichters, Johann Tobler, war ein junger, genialischer Mann von 24 Jahren. Dem Studium nach Theologe, zur Zeit Sophokles-Übersetzer. Er sah sich in Deutschland um; in Weimar wohnte er bei Knebel.

[Die Herzogin Luise] ist mir doch von allen den Weibern hier, die freilich eine eigne Welt ausmachen, die respektabelste... Die angenehmste, umgänglichste ist die Frau von Stein. — Aber ich kann sowenig zu einem hohen, reinen Grade von Achtung für sie kommen als zu einem hohen Grade von Zärtlichkeit gegen Goethe, der mir sonst weit, unverdient weit artiger, freundlicher, undrückender begegnet, als ich vermutet hätte. Ich habe ein paarmal allein mit ihm zu Mittag gegessen, und von seinen Sachen gibt er mir viel zu lesen und will auch mein Übersetzungswesen sehen. Seine „Vögel“ sind unnachahmliches, aristophanisch sublimes Persiflage. Seine „Befreiung von Holland“ bis an den letzten Akt fertig — politisch voll herrlicher Gedanken. Auch hat er was geschrieben über des Königs in Preußen Schrift, das mir aber am wenigsten goethisch ist, in Form eines Gesprächs.

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