> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.11.1777 Wieland an Merck (319)

2015-10-04

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.11.1777 Wieland an Merck (319)



8. November

Weimar. Wieland an Merck

Ich war gestern nachmittag bei Goethen auf seinem Altan. Kein lieberes, sich wärmer an einen anlegendes oder, wie die Schwaben sagen, ein mehr anheimelndes Plätzchen auf Gottes Boden müssen Sie nie gesehen haben. Es ist recht, als ob Goethens Genius das alles von Jahrhunderten her so angelegt, gepflanzt und gepflegt hätte, damit er’s einst in Weimar völlig und fertig fände und sich nur hineinzulegen brauchte. „Wenn doch nur Merck itzt bei uns wäre und das auch sehen und genießen könnte!“ sagte ich, „das hier — und dies dort: das wäre so was für ihn.“ - „Sei ruhig, er wird schon kommen“, sagte Goethe, und die Gewißheit, womit er’s sagte, machte, daß ich Sie schon halb gegenwärtig fühlte und etwas von der Wonne vorausgenoß, die mir Ihre Gegenwart und das Koexistieren mit Ihnen und Goethe an irgendeinem frohen Morgen oder Abend auf diesem Altane schaffen wird.

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