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2015-10-09

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...27.10.1779 Merck an Anna Amalia (348)



27.10.1778

Darmstadt. Merck an Anna Amalia

Von unsern Herrn Reisenden hab ich gestern durch Goethe ein herrliches Journal erhalten, woraus ich ersehe, daß sie eine der instruktivsten Reisen gemacht haben. Es ist ihnen an Menschen und Sachen wenig Merkwürdiges entschlüpft ...

Merck kannte die westliche Schweiz, die Heimat seiner Frau, recht gut.

Meine einzige Ressource ist hier die treue Frau Aja, mit der ich zuweilen, wenn mir’s wehe ist, einen Humpen alten Weines ausleere, indes daß der Herr Rat seinen Frankfurter trinkt. Dieser alte Mensch ist ganz incorrigible, und die Filzerei ist so arg, daß, wenn der Herzog vier Wochen in seinem Hause logiert, er der Frau nicht einen Taler Wochengeld mehr gibt. Dieser Mensch ist Goethes Vater und der Frau Aja Eheliebster. Neulich hat er sich sehr gefreut, daß er’s nicht war, der das Geld für des Herzogs Malereien auszulegen hatte; ich glaube, er hatte dafür nicht schlafen können. Warum nun Gott solche Menschen läßt, das mag ich nicht verantworten.

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