> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...im November 1780 Herder an Hamann (375)

2015-10-15

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...im November 1780 Herder an Hamann (375)



Im November

Weimar. Herder an Hamann

Über meine „Briefe" hat Lavater mir einen großen Brief voll sauersüßer Anmerkungen geschickt, aus denen ich sehe, daß ihm und mir vorderhand gut ist, gegeneinander Siebenschläfer zu werden. Die Illustres Voyageurs dieses Orts [der Herzog und Goethe] haben ihm einer nach dem andern Ideen von mir beigebracht, die der zarte Mann, wie es scheint, nicht verdauen kann und die als unverdaute Dinge bei ihm würken. Und doch ist’s und bleibt’s gegen diese Herren mein Vorsatz, sie gehen zulassen und mich um sie nichts zu kümmern. Ihre Werke, die Arbeit und Verfassung von drei Jahren ..., zeigen von des Baums Saft und Wesen. 

Sie haben mich ihm als einen Gailsüchtigen geschildert, der mit ihnen nicht leben wolle, oder vielmehr, mit dem sie nicht leben könnten. Und doch habe ich gegen all ihr Beginnen, das übrigens nicht meines Amts ist, kein Wort gesagt. Mein Stillschweigen und stumme Entfernung mit Absagung all ihrer Ehren und Blendwerke drückt sie, ohne doch daß sie im mindesten sich um etwas anders bemühen wollten. Also sind wir durch Gott, unsre Ämter und unsre Naturen geschieden. 

Der Herzog, der in Zürich den „lichtbedürftigsten, wahrheitsuchendsten Religiösen“ ... gemacht hat, soll Lavater gesagt haben, da dieser ihn vermutlich in manchem auf mich verwiesen, ich gebe ihm nur Blitzlicht in der Religion, aber Goethe gebe ihm das wahre, bleibende Licht. Ich wollte, daß meine Blitze ihm etwas anders als Licht wären.

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