> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...12.04.1778 Wieland an Merck (326)

2015-10-05

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...12.04.1778 Wieland an Merck (326)



12. April

Weimar. Wieland an Merck

Goethen bekomme ich gar nicht mehr zu sehen; denn er kommt weder an den Konzerttagen nach Hof noch zu mir. Und zu ihm zu kommen, wiewohl unsre Domänen eben nicht sehr weit voneinander liegen, ist auch keine Möglichkeit, seitdem er beinah alle Zugänge barrikadiert hat. Denn alle nähere Wege zu seinem Garten gehen über die Ilm und teils durch eine ehemals öffentliche Promenade, der Stern genannt, teils über eine herrschaftliche Wiese. Nun hat er zwar, pour faciliter la communication, im vorigen Jahre drei bis vier Brücken über die Ilm machen lassen; aber, Gott weiß warum, sie sind mit Türen versehen, die ich, sooft ich noch zu ihm gehen wollte, verschlossen angetroffen habe. Da man nun nicht anders zu ihm dringen kann als mit einem Zug Artillerie oder wenigstens mit ein paar Zimmerleuten, die einem die Zugänge mit Äxten öffnen, so ist ein gemeiner Mann wie unsereiner gezwungen, das Abenteuer gar aufzugeben und in seinem Eignen zu bleiben. Soviel ich höre, ist er heute mit dem Herzog nach Ilmenau, wo sie sich vermutlich eine Zeitlang mit der Jagd divertieren werden.

Mit Goethes Absonderung haben diese Brückengatter nichts zu tun. Sie wurden verschlossen gehalten, damit alle, die in die Stadt einpassierten, an den Torwachen am Frauentor oder Kegeltor vorbei mußten und dort Zoll bezahlten.

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