> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...29.11.1779 . Georg Forster an Friedrich Jacobi (356)

2015-10-10

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...29.11.1779 . Georg Forster an Friedrich Jacobi (356)



29. November

Kassel. Georg Forster an Friedrich Jacobi

Wie mich dünkt, mein teuerster Freund, haben Sie in Ansehung Goethes ganz recht gehandelt. Ihre Einlage klärt mir vieles auf, was ich freilich vorher geargwöhnt, aber nicht geglaubt hatte. Ich kenne kein unglücklicheres Geschöpf als den Menschen, wenn er, von Eigenliebe und Eitelkeit strotzend, keinen neben und über sich leiden kann. 

Ihre gutherzige Freundin  schreibt: „In der Liebe ist er nicht rein.“ Sie wollte nicht sagen: er liebt nur sich in allem andern. Wenn dieses mit Goethe der Fall ist, so wünsche ich Ihnen Glück zur Trennung. 

Der Engländer ist etwas phlegmatisch und mischt daher nie das geringste Leidenschaftliche in seine Freundschaft; dafür ist er selten unglücklich in der Freundschaft, und wen er liebgewinnt, welches mit Bedacht geschieht, dessen Freund ist er auf alle Probe. Goethe schrieb Ihnen „feurige Liebesbriefe“ und konnte sich erlauben.

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