> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...10.10.1779 Georg Forster an Friedrich Jacobi (345)

2015-10-08

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...10.10.1779 Georg Forster an Friedrich Jacobi (345)



10. Oktober

Kassel. Georg Forster an Friedrich Jacobi

Forster, 25 Jahre alt, Lehrer der Naturwissenschaft an der Ritterakademie zu Kassel, hatte in seinen ersten Jünglingsjahren als Gehilfe seines Vaters eine große Entdeckungsreise unter Kapitän Cook mitgemacht und schon Manches geschrieben.

Vor vier Wochen war Goethe nebst dem Kammerherrn von Wedel und dem Oberforstmeister von Wedel bei mir. Ich soupierte mit ihnen, ohne zu wissen, daß der Letztgenannte der Herzog von Weimar wäre. Zum Glück bewahrete mich mein guter Genius, daß ich ihm keine Sottise sagte, wiewohl ich von großen Herren überhaupt mit großer Freimütigkeit sprach. Ich wette, es hat Goethen Mühe gekostet, bei einigen Gelegenheiten über meine Treuherzigkeit nicht loszupruschen. 

Den Tag darauf besahen sie den Garten zu Weißenstein; ich sollte die Partie mitmachen, allein ich war zu sehr beschäftigt. In der Zwischenzeit erfuhr ich, daß der Herzog in der Gesellschaft sei. 

Den andern Morgen kam Goethe wieder zu mir und der Kammerherr bald hernach. Wir gingen zusammen nach dem landgräflichen Kabinett der Altertümer und der Kunstkammer, wohin der Herzog sich nachher auch begab. Ich mußte bei ihnen bleiben und mit ihnen speisen, und gleich nach frühe eingenommenem Mittagsmahl reisten sie davon. 

Da sich Goethe anfangs nicht genannt hatte, so kannte ich ihn nicht und — erkundigte mich nach ihm — bei ihm selbst. Sie kennen ihn und wissen, was es für ein Gefühl sein kann, ihn kaum eine Stunde lang zu sehen, nur ein paar Minuten lang allein zu sprechen und als ein Meteor wieder zu verlieren. Sagen läßt sich das nicht. Von Ihnen haben wir viel gesprochen: Er bat mich, Sie recht herzlich zu grüßen. Ist mir recht, so haben Sie bei ihm eine Antwort zugut. 

Der Herzog hat mir gefallen. Er frug sehr viel und doch keinmal albern; gewiß, das heißt für einen deutschen Fürsten alles Mögliche prästieren.

Forster war an albernen Fragen nach den Dingen der Südsee schon sehr gewöhnt.

alle vertraulichen Briefe                                                                                                          weiter



Keine Kommentare: