> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.12.1780 Heinse an Jacobi (376)

2015-10-15

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...08.12.1780 Heinse an Jacobi (376)



8. Dezember

Venedig. Heinse an Jacobi

Mit Wolfgang Goethe sollte man es gerade so machen, wie er es gegen andere macht; denn was sonst Unrecht wäre, ist hier Recht. Ihr Handel mit ihm ist von ganz anderer Beschaffenheit als mit Wieland, da er Sie nicht öffentlich angegriffen, sondern nur im Winkel bloßen Mutwillen an einer von Ihren Schriften ausgeübt hat. 

Es ist ein Studentenstreich im Rausche, wie sie die Athenienser an dem Alkibiades auf die leichte Achsel nahmen, den sie aber zur Züchtigung dafür doch auf einige Zeit aus ihren Staaten verbannten, so daß er zu Sparta schwarze Suppe essen und bei der Königin schlafen mußte. 

Die Mercke, die Peter Mefferte, die den Possen zum feierlichen Ernst machen und wie Evangelisten in langen Mänteln unter die Frau Basen herumtragen, verdienen die Stockschläge, die durchaus die einzige Art von Begegnung gegen dergleichen Beleidigungen sind und wozu man so gut einen Büttel brauchen kann, der die Gerechtigkeit an eines Statt handhabt, als irgendein andrer Magistrat, da es keine andre Genugtuung gibt und niemand Unrecht zu leiden nötig hat.

Ein so gewöhnlicher Mensch, wie Lessing meint, wird er nie werden; den innern Gehalt kann kein Gepräge umändern. Ach, wenn man immer beieinander wäre, so würde manches nicht geschehen! Des Menschen Sinn ist gerecht und gut, aber seine Phantasie ist ein Teufel.

Über die Figur Peter Messert, abgeleitet von dem Spielkartenbruder  P.M in Amsterdam, unterrichtet Büchmann. Ein Gedicht von Heinses Freund Gleim beginnt:
"Was will nicht alles Peter Messert sein?" -Mit der Frau Base ist wohl Sophie v. La Roche gemeint. Merck scheint hier also Goethen einen üblen Dienst erwiesen haben, was Dieser nachträglich noch empfunden haben kann.

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