> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...11.07.1781 Wieland an Merck (285)

2015-10-16

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...11.07.1781 Wieland an Merck (285)



11. Juli

Weimar. Wieland an Merck

Für Goethen, lieber Bruder, laß Dir nicht bang sein. Er ist wohl, und das Geschwätze mancher Leute, seine angebliche Gesundheitsabnahme betreffend, gemahnt mich an die Fabel von den zween Wölfen, die gehört hatten, daß der Hirsch nicht wohl sei. „Wie befindt sich der Herr Vater?“ sagten sie zum Hirschkalb etc. „Besser, als es die Herren wünschen“, antwortete das Kalb. Fiat applicatio, wo und soweit sich’s schicken mag. Denn auf Kaysern paßt das nun freilich nicht, aber der hat sonst Gespenster im Kopf und meint vielleicht, um wohl zu sein, müsse jedermann so wohlgenährt aussehen wie er selbst. 

Kurz, ich bitte Dich ein für allemal, nichts von solchen rumusculis zu glauben. Daß er etwas mager ist, ist wahr; aber fetter wird man freilich in seiner Lage nicht. Indessen ist er doch wohl und munter, und weder sein Genius noch seine Laune hat ihn verlassen, wiewohl er so sanft und gutmütig gegen alle Leute ist, daß er von dieser Seite nicht mehr zu kennen ist.

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