> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...17.01.1780 Wieland an Merck (359)

2015-10-11

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen...17.01.1780 Wieland an Merck (359)



17. Januar

Weimar. Wieland an Merck

Daß wir seit Freitag unsern Herzog wiederhaben, wird Euch vermutlich schon bekanntgemacht worden sein. Wie wir homunciones nun von jeher gewesen sind und immer bleiben werden, so könnt Ihr Euch leicht vorstellen, daß der glückliche Ausgang dieser Reise, des Herzogs herrliches Wohlbefinden ... bei männiglich einen großen Effekt gemacht und Goethen in ein sehr günstiges Licht gestellt hat, und dies um so mehr, da auch er multum mutatus ab illo zurückgekommen und in einem Ton zu musizieren angefangen hat, in den wir übrigen mit Freuden ... harmonisch einzustimmen nicht ermangeln werden ...

Diese Schweizerreise, nach dem wenigen, aber Hinlänglichen, was ich aus der Quelle selbst davon vernommen habe, zu urteilen, gehört unter Goethens meisterhafteste Dramata. Man muß aber auch gestehen, daß er das wahre enfant gäte der Natur und aller Schicksals-, Glücks- und Zufallsgötter ist, denn am Ende hätt er doch mit aller seiner dramatischen Panurgie keine einzige fatale Wolke vom Himmel wegblasen können, und ein einziger unglücklicher Zufall, für den ihn nur ein Narr responsabel machen könnte und für den ihn doch die ganze Welt responsabel gemacht hätte, war hinlänglich, das ganze Drama zu ruinieren. Daß nun das nicht geschehen, sondern alle Elemente und Wetter machenden Götter und alle übrigen, die das große Kartenspiel des Zufalls mischen, so freundlich und gutlaunig gewesen und von Anfang bis zu Ende lauter gute Karten gegeben haben, des sind wir nun alle herzlich froh, sollen und wollen aber anbei das Verdienst dessen, der das Spiel spielte, nicht mißkennen; denn ein schlechter Spieler verliert auch mit guten Karten.

Das Lateinische: Menschlein, Erdenkinder.-Erheblich geändert gegen sonst-Panurg: Faktotum, Allestuer.

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