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2015-11-02

J.H.Merck-Gedichte: Der Mann und Jupiter (15)




 Der Mann und Jupiter

Der Mann, mit seinem Stande nicht zufrieden,
Erscheinet für des Jovis Thron
Und klagt das Los, das ihm sein Vaterwort beschieden.
Stets gütig, spricht der Gott: „Worüber klagst du schon?
„Ich bin“, so lauten die Beschwerden,
„Das herrlichste Geschöpf auf Erden,
Mein Wahn versichert mich, ich bin dein Meisterstück.
Jedoch, o großer Zeus, wie viel fehlt meinem Glück?
Es scheint im Reich, wo ich regiere,
Das allerniedrigste der Tiere
Mir weit vollkommener als ich.
Ich bitte, Zeus, betrachte mich.
Werd ich dem Weibe je an sanfter Bildung gleichen?
Wird je mein schwerer Fuß des Adlers Flug erreichen?
Und wer wird meinem Arm des Löwens Kraft verleihn,
Wer gibt mir wie dem Hund, o Zeus, geschärfte Sinnen?
„Du bist vollkommen, Mensch“ , fiel Jupiter ihm ein,
Du stehest in der Schöpfung mitten innen,
Doch wünschest du, o Tor, vollkommener zu sein,
So sieh, vom Irrtum zu genesen,
Hier deiner Wünsche Wahn in diesem neuen Wesen.“
Der Mann gehorcht und sah erschreckt in fernen Höhn
Das ungeheure Sphinx entstehn.

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