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2015-11-03

J.H.Merck-Gedichte: Die zärtliche Mutter (30)




Die zärtliche Mutter

Am Spieltisch, der, zu unsern Zeiten,
Beim zärtlichen Geschlecht für Krämpf und Bangigkeiten
Ein sehr bewährtes Mittel ist,
Da, wo mit kluger Hand so manche Schöne
Ihr Wohl und Weh nach so viel Stichen mißt
Und, wie es sehr natürlich ist,
Den Mann um einen Trumpf vergißt,
Saß meine Nachbarin Climene.
„Treff, Solo“ , rief sie, „wenn sie alle passen.“
Indem tritt ihre Magd herein:
„Und wollen Sie denn Fritzchen sterben lassen,
Das Kind hört gar nicht auf zu schrein;
Ich weiß mir nicht zu helfen noch zu raten.“
„Spadille.“ Ach - die Baße stellt sich ein.
„Nun komm ich wohl zu meinem Schaden,
Triumph, nun ist die Bete mein!“
„Madame“, fiel die Magd ihr ein,
„Ich bitte Sie um ’s Himmels willen,
Allein kann ich das Kind nicht stillen.“
„Was? der verdammte Streich? die Dame fällt mir nicht?
Nun was hat das wohl zu bedeuten?“
„Ach, wenn sich nur die Hitze bricht!
Das Kind kennt keinen Menschen nicht;
Es will sogar Fripomen nicht mehr leiden.“
„Fripome!“ fing sie hitzig an,
„Wer hat dem armen Tier zuleid getan?
Und warum läufst du nicht geschwinde
Und sagst es gleich, wenn man noch helfen kann?
Das unbarmherzige Gesinde!
Wie lange martert sich das arme Tier?
Verzeihen Sie, ich bin gleich wieder hier.“

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