> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 12.09.1789 Sophie v. Schardt an C.A.von Seckendorff (508)

2015-12-01

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 12.09.1789 Sophie v. Schardt an C.A.von Seckendorff (508)



12. September

Weimar. Sophie v. Schardt an C.A.von Seckendorff

AdF. Die Herzogin Luise ist sicherlich ein seltenes Wesen, höchst liebenswürdig und von edlem Charakter. Unser Herzog hat einen Fonds von guten Ansichten, denen man eine ehrliche Zuneigung nicht versagen kann. Alles, was uns hier fehlt, ist ein gerechter, edler und für das Gute eifriger Minister, der sich nicht scheut zu reden. Fritsch ist nicht der Mann dazu. Goethe, der sicherlich den Charakter dazu hätte, fehlt der Sinn dafür. Er fühlt, daß er in den Geschäften nicht die Geschicklichkeit hat, die über die Schwierigkeiten hinwegführt, und deshalb hat er sie aufgegeben. Er ist dem Herzog ganz nützlich, da er ihm als Freund dient; ich kann die Ungerechtigkeit nicht erkennen, die die Leute darin finden, daß er sein Gehalt weiter behält. Hat ein Fürst nicht das Recht, einem Manne, den er liebt, Gutes zu erweisen...? Er zahlt ja viele andere Gehälter, die ihm und andern weniger Nutzen tragen.

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