> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 31.01.1794 Fr. Jacobi an Wilhelm von Humboldt (592)

2015-12-18

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 31.01.1794 Fr. Jacobi an Wilhelm von Humboldt (592)



1794

31. Januar

Pempelfort. Fr. Jacobi an Wilhelm von Humboldt

Erzählung seiner Erlebnisse 1792. Eine Begegnung mit Goethe in Mainz sei vereitelt worden. Er spricht dann vom Spätjahr, als die Deutschen den Feldzug verloren hatten.

Gleich darauf wurde Mainz eingenommen, und wir verlebten wieder vierzehn angstvolle Tage. Damals lag ich eines Abends wegen Kopfweh hingestreckt auf einem Kanapee, und Lene las mir vor. Ein geschwätziger Kriegsrat R., den ich auf meiner Rückreise von Karlsruh bei Dohm kennengelernt hatte, wollte mir über den Hals. Er kam mit seinem Registerschiff von Wesel zurück. Ich hatte ihm sagen lassen, daß ich todkrank, wenn es sein müßte: gestorben, begraben wäre. Das war geschehen, schon vor zwei Stunden, und ich glaubte mich gerettet. Da klingelte es, und ich höre Geräusch. Ein Bedienter kommt hereingeschlichen: „Ein fremder Herr ..— „Doch der verdammte R.!“ sagte ich verzweiflungsvoll, „ich sehe,... ich spreche ihn nicht!“ 

Lene ging hinunter, um zu sehen, wie sie dem Übel abhülfe. Der Fremde war schon an der Treppe. Das hörte ich, sprang auf. „Goethe!“ rief ich aus, „gewiß Goethe!“ Er war es, liebster Humboldt, er selbst! Er war nur auf acht Tage gekommen, blieb vierzehn Tage, blieb drei Wochen und wäre wahrscheinlich bis zum Frühjahre, wenigstens noch eine gute Zeit geblieben, wenn nicht Dumouriez mit Riesenschritten herangerückt wäre. Da die Franzosen zu Aachen einrückten, brach Goethe auf.

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