> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 20.09.1794 Schiller an seine Frau (610)

2015-12-21

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen... 20.09.1794 Schiller an seine Frau (610)



20. September

Weimar. Schiller an seine Frau

Ich bringe die meiste Zeit des Tages mit Goethen zu ... Vor einigen Tagen waren wir von halb 12, wo ich angezogen war, bis nachts um 11 Uhr ununterbrochen beisammen. Erlas mir seine „Elegien“, die zwar schlüpfrig und nicht sehr dezent sind, aber zu den besten Sachen gehören, die er gemacht hat. 

Sonst sprachen wir sehr viel von seinen und meinen Sachen, von anzufangenden und angefangenen Trauerspielen und dergleichen. Ich habe ihm meinen Plan zu den „Maltesern“ gesagt, und nun läßt er mir keine Ruhe, daß ich ihn bis zum Geburtstag der regierenden Herzogin, wo er ihn spielen lassen will, doch vollenden möchte. Es kann auch ganz gut dazu Rat werden, denn er hat mir viel Lust dazu gemacht, und dieses Stück ist noch einmal so leicht als „Wallenstein“. 

Er hat mich gebeten, seinen „Egmont“ für das weimarische Theater zu korrigieren, weil er es selbst nicht wagt, und ich werde es auch tun. Meinen „Fiesko“ und „Kabale und Liebe“ rät er mir, auch nur ein wenig zu retouchieren, daß diese Stücke ein bleibendes Eigentum des Theaters werden. 

Was seinen Anteil an den „Horen“ betrifft, so hat er großen Eifer, aber freilich wenig vorrätige Arbeit. Seine „Elegien“ gibt er uns, und zwar gleich für die ersten Stücke. Alsdann hat er mir vorgeschlagen, einen Briefwechsel mit ihm über Materien zu eröffnen, die uns beide interessieren, und dieser Briefwechsel soll dann in den „Horen“ gedruckt werden.

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