> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen....24.05.1790 Wilhelm v. Humboldt an Karoline von Dacheröden (531)

2015-12-05

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen....24.05.1790 Wilhelm v. Humboldt an Karoline von Dacheröden (531)



24. Mai

Berlin. Wilhelm v. Humboldt an Karoline von Dacheröden

Wohl ist’s ein ganz neuer Charakter, Gretchen in Goethens „Faust“. Diese Naivität und fromme Unschuld! Und indem Ausdruck diese Natur und Wahrheit! Die Art, wie sie sich ihm erklärt, wie sie ihm den Kuß zurückgibt, ist über jede Beschreibung meisterhaft. Und auf der andern Seite Faust. Dies Große, Allumfassende, diese Gabe, die ganze Natur mit seinen Gefühlen zu verweben, ist doch nur bei Goethe in der Stärke und Schönheit geschildert ...( Folgt weiteres Lob)

Wenn nur das Ganze nicht so buntscheckicht wäre! Aber von vornherein sind fatale Szenen, hie und da freilich schön, aber auch so undelikat und roh. Die niedliche Szene der ersten Zusammenkunft Gretchens und Fausts wird einem durch die Marthe ewig verdorben. Goethe hätte sie nicht sollen einander begegnend Spazierengehen lassen. Denn sooft ich nun lese, was Grete sagt, seh ich schon im Geiste immer wieder die unausstehliche Marthe auf sie zu kommen.

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