> Gedichte und Zitate für alle: W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen....15.10.1790 Huber an Körner (543)

2015-12-08

W. Bode: Goethe in vertraulichen Briefen....15.10.1790 Huber an Körner (543)



15. Oktober

Mainz. Huber an Körner

Deine Nachrichten von Goethe waren mir sehr lieb, und ich beneide Dich, wie ich mich freue, daß Du diesen Menschen so ausgekostet hast.

Daß Du in seiner Philosophie den Grund zu seiner Unerreichbarkeit als Dichter findest, mag wohl eine kleine Vermengung sein. Bildung und Ruhe fehlten im „Werther“, in „Götz“ und in „Faust“, der doch zum Teil aus jenen früheren Epochen ist; aber diese glückliche Dichterorganisation, die jeden so verschiedenen Stoff ergriff und sich mit ihm amalgamierte: die ist schon in jenen Werken. Und in dieser lag wohl eher der Grund, daß er jetzt dies System erwähnet hat, als umgekehrt. Was machst Du mit seinen Grundsätzen allein? Seine Organisation, seine Existenz hätte ich ihm ablernen mögen!

Die Beziehungen, die er seiner Theorie gibt, kommen mir mehr wie eine Marotte vor, die mir ihn menschlicher, begreiflicher und also lieber macht, mit welcher ich aber nicht übereinstimmen könnte. Oder gibt es ein System, dem man diese rein sinnliche Anschauung und Empfängnis verdanken könnte, die ihn in meinen Augen vor jedem Dichter der Welt auszeichnet?

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