> Gedichte und Zitate für alle: F. Dingelstedt: kosmopolitischer Nachtwächter: Nachtwächters Stilleben-8 (8)

2016-01-07

F. Dingelstedt: kosmopolitischer Nachtwächter: Nachtwächters Stilleben-8 (8)




   8.

Kamerad, wen fährst du? – »Den Minister.« –
Und darum so barsch, so stolz getan?
Den hab' ich schon lang auf meinem Register,
Soll auch mit nächstem sein Ständchen ha'n!

Da stehen die schmucken, stattlichen Tiere
Vielleicht schon viele Stunden lang,
Sie hängen die Köpfe alle viere
Und scharren im Schnee und zerren am Strang.

Den Grobian droben auf hohem Bocke,
Um den tut mir das Warten nicht leid,
Der sitzt warm in seinem verbrämten Rocke,
Aber die Gäule haben kein Kleid,

Keinen Pelz, in grimmiger Kälte labend,
Und innerlich keinen Branntewein.
Ich sollte nur einmal heute abend
Einer von denen vier Schimmeln sein!

Ich wollte mich wehren, ich wollte dich lehren,
Herr Exzellenz mit dem Podagra,
Du solltest Gottes Geschöpfe ehren
Und deinesgleichen ... Hallelujah!

Dort sitzt er noch bei seinem Herrn Vetter,
Wühlt in Karten und wühlt in Geld,
Und läßt die Tiere in Sturm und Wetter
Frieren, so lang' es Gott gefällt.

   Ich rate dir, laß die Karten ruhen
Und hüte dich fein, Ministerlein,
Du hast es mit vier Hengsten zu tuen,
Bedenk, daß das keine Bürger sein!

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