> Gedichte und Zitate für alle: F. Dingelstedt: kosmopolitischer Nachtwächter: Sechste Station-2 (56)

2016-01-11

F. Dingelstedt: kosmopolitischer Nachtwächter: Sechste Station-2 (56)




 2.

Frei ist die Kunst, allein, fürwahr! nicht frei wie ein Nomadenzelt,
Das man vom Isarstrande flugs hier an der Spree Gestaden stellt;
Sie schießt, ein stolzes Prachtgewächs, aus jeder Scholle nicht hervor
Und ist so gut wie Königtum eine Von-Gottes-Gnaden-Welt.
Soldaten lassen sich zur Not erziehen und Geheime Rät',
Wenn nur die rechte Meisterhand den goldnen Puppenfaden hält.
Doch Dichter wuchern nicht empor, wo man verlegnen Samen streut,
Zumal wenn er in Sand herab und steinig-harten Pfaden fällt;
Und Maler lieben nicht zu gehn, wo ihnen rings auf jedem Schritt
Ein kritisch-lautes Köterlein heimtückisch um die Waden bellt;
Und Philosophen denken nicht, wenn das profane Marktgeschrei
Alltäglich um ihr stilles Haus und die verschloßnen Laden gellt;
Spielleute endlich schweigen bald, wenn Pöbelwahn und Frömmelei
Auf ihre liederreiche Brust schwer wie ein gift'ger Schwaden fällt.
Nein, Rüben und Kadetten zieht, Kartoffeln und Magister groß,
Das schadlos solche Ernte Euch für Eurer Künste Schaden hält!

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