> Gedichte und Zitate für alle: F. Dingelstedt: kosmopolitischer Nachtwächter: Fünfte Station-4 (51)

2016-01-11

F. Dingelstedt: kosmopolitischer Nachtwächter: Fünfte Station-4 (51)




 4.

Auf diesen Felsen möcht' ich Hütten baun,
Ein treuer Gast dem abgeschiednen Eiland,
Nicht um nach Süden, heimatwärts, zu schaun,
So wie gen Ithaka der Dulder weiland,
Nein, um des Festlands dürres Einerlei
Im Meereshauch auf ewig zu vergessen;
Hier weht das Banner Albions, und frei
Hat hier von je ein freies Volk gesessen.

Laßt mich willkomm an Eurem Herde sein,
Als Bürger grüße jeder mich, als Bruder,
Legt in die schwache Rechte mir hinein
     Statt eines Wanderstabs ein tüchtig Ruder,
Lehrt auf den Dünen mich den Robbenfang
Und andre Kiel' als Gänsekiele führen;
Müd' war ich's, beim Allmächtigen, schon lang,
Sie täglich sonder Ziel und Rast zu rühren!

Gib mir die Hand, du schönes Fischerkind,
Sei du mein Weib, mein Engel, meine Muse,
Auf das ich werde, was die Deinen sind,
Ein wackrer Lotsen-Mann in blauer Bluse;
Streich mir die alten Falten von der Stirn
Und die Gedanken-Runzeln aus den Brauen,
Fortan soll nur dein Kuß, du schmucke Dirn',
Und Arbeitsschweiß auf diesen Schläfen tauen.

Hinein ins Bad! des Staubes letzten Rest,
Das ihn hinweg der Schaum der Welle spüle!
Wie dehnt die Brust, so enge, so gepresst,
Sich selig aus in dieses Morgens Kühle!
Den alten Adam tauch' ich opfernd ein,
Du, weihe, Meer, mich selbst zum neuen Lose,
Laß mich gesund und dein auf ewig sein,
Wenn ich entsteige deinem Mutterschoße!

alle Gedichte des Nachtwächters                                                                                                weiter

Keine Kommentare: